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Faszination Wüstenpferde: Besuche die Wildpferde in Namibia

Hast du schon von den wilden Pferden in Namibia gehört? Eine Herde Wildpferde lebt in der Namib Wüste in der Nähe von Aus – genauer gesagt bei Garub. Auf einer Tour in den Süden Namibias kannst du sie gut bei einem Abstecher nach Lüderitz besuchen.

Wildpferde in Namibia

Dein Besuch bei Namibias Wildpferden

Wir haben die Wildpferde in Namibia 2016 auf unserer Reise durch den Süden besucht. Leider hatten wir auf unserer Reise nur einen kurzen Aufenthalt in Lüderitz eingeplant. Sowohl auf dem Hin- als auch Rückweg haben wir einen Abstecher nach Garub gemacht und dort Stunden damit verbracht die Wildpferde zu beobachten.

Wir haben viele Besucher gesehen, die gekommen sind, ein paar Fotos gemacht haben und nach 10 Minuten wieder gefahren sind. Für einen Pferdefan wie mich, reicht das nicht. Es war so schön das Verhalten der Pferde und die Sozialstrukturen ih Ruhe zu beobachten. Außerdem haben wir viele unterschiedliche Gruppen gesehen die sich am Bohrloch abgewechselt haben.

Nimm dir Zeit die Pferde zu beobachten!

Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen am Wasserloch. Solltest du nicht direkt eine Herde antreffen, warte ein wenig und suche den Horizont mit dem Fernglas ab. Oft kannst du in der Ferne eine Herde entdecken und es ist nur eine Frage der Zeit bis sie am Wasserloch auftaucht. Manchmal nähern sich die Pferde nur langsam der Wasserquelle, andere widerum kommen locker angetrabt und können es kaum erwarten das Wasser zu erreichen. Manchmal muss eine Gruppe Junghengste der gefestigten Herde Platz machen oder ein einzelner Hengst wartet in der Ferne bis er an der Reihe ist und zum Wasser kommt. Spannend sind auch die Begegnungen zwischen Pferden und Oryx Antilopen. Mir scheint, dass die Pferde in der Rangordnung über den Oryx stehen und diese vom Wasser vertreiben können. Meist ist es friedlich rund ums Wasser, teilweise kannst du aber auch Rangeleien und Drohgebärden sehen.

wilder Hengst Namibia

Anfahrt zu den Wildpferden

Auf dem Weg nach Lüderitz über die B4 führt 20km hinter Aus eine Schotterstraße zur Tränke der Wildpferde bei Garub. Dort befindet sich auch ein Aussichtspunkt mit Schattendach zur Beobachtung der Wildpferde.

Ausgangspunkt für deinen Besuch bei den Wüstenpferden kann zum Beispiel eine Übernachtung in Klein-Aus Vista sein. Sabine von Ferngeweht hat einen tollen Bericht über eine Wanderung in Klein Aus und ihren Besuch bei den Wildpferden geschrieben.

Alternativ kannst du auf der Strecke Lüderitz den Abzweig nach Garub nehmen um die Pferde zu beobachten und im Anschluss weiter fahren.

Auge eines Wildpferds

Meine Tipps um die Wildpferde zu beobachten:

  • Genügend Zeit und Geduld

Auch wenn die Wildpferde den Unterstand zur Beobachtung kennen und an die Autos sowie Touristen gewöhnt sind, so sind es immernoch wilde Tiere, die sich nicht dauerhaft am Wasser aufhalten. Es kann sein, dass du erstmal keine Pferde entdeckst oder sie nur in der Ferne grasen siehst. Wenn du genug Zeit hast, kannst du oft auch verschiedene Herden und Gruppen, die sich am Wasser abwechseln, beobachten.

  • Wasser, Snacks und Sonnencreme

Versorge dich mit ausreichend Wasser, einem kleinen Snack und viel Sonnencreme. Zwar spendet der Unterstand Schatten, aber es ist dennoch sehr heiß in der Wüste. Außerdem verfliegt die Zeit wie im Flug, so dass ich mehr Zeit als ursprünglich geplant bei den Wildpferden verbracht habe.

  • Fernglas und Kamera

Bring auch jeden Fall ein Fernglas mit, so dass du den Horizont nach den Pferden absuchen kannst. Eine Kamera mit großem Objektiv ist natürlich notwendig, um die Pferde zu fotografieren.

  • Verhaltet euch ruhig

Auch die Wildpferde sind wilde Tiere: Lautes Türenschlagen, klappern und Ausrufe stören einerseits die Tiere und andererseits auch andere Besucher. Wie auch an den Wasserlöchern im Etosha Nationalpark solltet ihr euch auch hier ruhig verhalten.

  • Bitte nicht füttern und nicht anfassen!

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es sind wilde Tiere, welche sich perfekt an die Gegebenheiten der Wüste angepasst haben. Daher füttert die Pferde bitte nicht, auch wenn sie durchaus mager erscheinen. Die Namibia Wild Horse Association versorgt die Tiere in Dürrejahren mit Heu und Luzerne. Das Füttern der Pferde ist nicht nur verboten, sondern auch sehr gefährlich für die Tiere. Es kann schlimme Koliken verursachen, die sogar zum Tod führen können. Sie sind es nicht gewohnt Obst oder gar Süßigkeiten zu fressen. Durch das Anfassen und Streicheln können sie ihre Scheu zu den Menschen verlieren.

  • Vorsicht auf der B4

Fahrt Vorsicht auf der Strecke zwischen Aus und Lüderitz. Die Wildpferde halten sich oft in der Nähe der Straße auf oder machen sogar ein Nickerchen auf dieser.

Geschichte der Wildpferde in Namibia

Tatsächlich sind die Wildpferde in Namibia, die auch gerne als „Namibs“ bezeichnet werden, keine „echten“ Wildpferde, sondern verwilderte Hauspferde. In den Wirren des ersten Weltkriegs wurden viele Pferde herrenlos und flohen in die Wüste. Es herrschen verschiedene Theorien auf welche Pferdezucht die Wildpferde zurück zu führen sind. Laut des namibischen Umweltministeriums haben genetische Untersuchungen gezeigt, dass die Pferde maßgeblich auf die Zucht Kubub von Emil Kreplin zurückzuführen sind [1].

Wildpferd und Oryx

Kreplin züchtetet sowohl Rennpferde als auch Arbeitspferde, so dass die Namibs Merkmale sowohl von Hackeney, Trakehner als auch Shagya Arabern zeigen. Im ersten Weltkrieg waren die Pferde von Kubuk sich selbst überlassen und begannen in der Nähe von Aus am Garub Bohrloch heimisch zu werden. Dort trafen sie auf Pferde der Schutztruppen, die während eines Bombenangriffs auf ein südafrikanisches Truppenlager herrenlos geworden wurden. Das Garub Bohrloch wurde ursprünglich für die Dampflokomotiven angelegt und sicherte den Pferden ein Überleben in der Wüste.

Auch heute noch leben die Pferde im ehemaligen Diamanten Sperrgebiet rund um das Wasserloch in Garub. Über Generationen hinweg haben sie sich und ihre Instinkte an ein Überleben in der Wüste angepasst. So kommen sie mit deutlich weniger Wasser aus.

Spannenderweise gibt es heute nur noch Braune, Füchse und Rappen, obwohl damals auch Schimmel in der Zucht von Kubuk waren. Auch die breiten Blessen und hohen weißen Stiefel der ehemaligen Zuchtpferde lassen sich heute noch vereinzelt bei den Wildpferden wiederfinden.

Kubuk Wildpferde

Wenn euch die Herkunft der Namibs interessiert und ihr mehr über ihre Geschichte und ihr Verhalten lernen wollt, dann lege ich euch das Buch „Wilde Pferde in der Namibwüste“ von Mannfred Goldback & Telané Greyling ans Herz. Dieses ist aktuell nicht lieferbar, aber eine Neuauflage ist in Arbeit. In Namibia findet ihr es aber oft noch in den Buchhandlungen in Swakopmund und Windhoek.

Gefährdung der namibischen Wildpferde

Besonders die letzten Dürrejahre haben den Wildpferden Namibias stark zu gesetzt. Ende 2015 war nur noch so wenig Weide verfügbar, dass das MET (Ministry of Environment und Toursim) der Namibia Wild Horse Foundation die Erlaubnis gab die Pferde zuzufüttern.

Dazu kam im Jahr 2012 eine weitere Gefahr: Tüpfelhyänen haben sich in der Gegend von Garub angesiedelt. Diese haben nicht nur alle Fohlen, sondern auch einen Großteil des Pferdebestands erlegt. Diese Situation ist besonders brisant, da sowohl die Wildpferde als auch die Tüfelhyänen gefährdete Tierarten sind.

Letztendlich sank die Anzahl der Wildpferde in Namibia von 286 Pferden im Jahr 2012 auf nur noch 73 Pferde im Jahr 2019. So war der Fortbestand der Wildpferde stark gefährdet. Im März 2019 griff das MET ein und siedelte 6 Tüpfelhyänen in einen anderen Teil des Namib-Naukluft Parks um [3].

Wildpferd Namib Namibia

Das Ministry of Envirnoment and Tourism veröffentlichte 2019 einen 10 Jahres Plan „Management Plan for Horses in the Namib Naukluft Park and the Tsau // Khaeb National Park 2020-2029″ in welchem die Wildpferde als kulturelles Erbe Namibias anerkennt werden und ihre Bedeutung für den Tourismus hervorgehoben wird. Somit ist nun das Bewusstsein für die Wildpferde geschärft und ihre Verwaltung geregelt.

Das Jahr 2018 brachte gute Regenfälle in der Region der Wüstenpferde und eine erstmalige Erleichterung, so dass die Zufütterung gestoppt werden konnte. Doch auch 2018 wurden alle geborenen Fohlen durch die Hyänen getötet. Erst eine Umsiedlung der Hyänen führte dazu, dass wieder Fohlen überleben konnten.

Die kleine Stute „Zohra“ wurde im Januar 2019 gebohren und ist das erste Fohlen nach sechs Jahren das überlebte. Ein weiteres Hengstfohlen, genannt „Mirage“, folgte noch im selben Jahr. 2020 wurden wieder 84 Pferde gezählt: 15 Fohlen, 40 Hengste und 31 Stuten [2].

Nun haben endlich wieder Fohlen überlebt und der Nachwuchs kann das Fortbestehen der Namibs sichern. Auch im Dezember 2020 & Januar 2021 gab es Nachwuchs: Bis jetzt wurden schon 2 Fohlen geboren und weiterer Nachwuchs wird von den tragenden Stuten erwartet.

Dennoch ist der Fortbestand der Wildpferde Namibias fraglich – neben den Dürren und Hyänen, gibt es auch weiterhin die Lücke von 6 Jahre in denen keine Fohlen überlebt haben. Dadurch fehlt eine halbe Generation in der Herde und das wird dazu führen, dass es zu einem Zeitpunkt in der Zukunft keine fortpflanzungsfähigen Pferde in der Herde geben wird.

Schutz der Wildpferde in Namibia

Der offizielle Grundstein für den Schutz der Wüstenpferde Namibias wurde durch den 10 Jahres Plan des Ministry of Envirnoment and Tourism gelegt. Doch es gibt weitere Initiativen, um die Wildpferde zu schützen und ihren Fortbestand zu sichern.

Garub Wasserloch

Die Namibia Wild Horses Foundation

Die 2012 gegründete Namibia Wild Horses Foundation setzt sich für den Schutz und das Überleben der Wildpferde ein. Dazu gehört die Sicherstellung der Wasserversorgung durch das Bohrloch in Garub und die Versorgung der Pferde mit Heu oder Luzerne in Dürreperioden. Auf ihrer Facebook Seite berichten sie kontinuierlich über die Wildpferde und stellen die einzelnen Pferde vor.

Fotografien von Teagan Cunniffe

Bei Teagan Cunniffe könnt ihr außergewöhnliche Fotografien der Wildpferde erwerben. Der Gewinn aus dem Verkauf wird mit der Namibia Wild Horses Foundation geteilt. Mit dabei sind auch tolle Fotografien von Zohra in ihrem ersten Lebensjahr. Schaut doch mal vorbei!

Pferdeseife von !Nara Cosmetics

Die Pferdeseife von !Nara Cosmetics wird in Namibia aus rein natürlichen Inhaltsstoffen hergestellt. Die Seife pflegt und reinigt sanft das Pferdefell. Beim Kauf einer Seife werden 50 Cent an die Namibia Wild Horses Foundation gespendet. Du kannst die Pferdeseife in Deutschland z.B. bei Herr Pferd erwerben.

Du möchtest noch mehr über die Wildpferde in Namibia erfahren? Dann schau auf jeden Fall bei der Namibia Wild Horses Foundation vorbei. Als Pferdefan ist vielleicht auch eine Safari im Sattel das richtige für dich? Lies gerne auch meinen Bericht zum Reiten in Namibia.

Wild Horses Namibia

Quellen:

  • [1] Goldbeck M., Greyling, T.: Wilde Pferde in der Namibwüste (2011).
  • [2] The Namibia: Wild horse population grows, 05.02.2020, Link
  • [3] Safarinews: Namibia’s wild horses – new hope, 09.11.2019, Link

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